Schöningen liegt südlich der Straße von Stettin nach Pasewalk in dem Teil des Kreises Randow, der im Herbst 1939 zum Kreis Greifenhagen geschlagen wurde. Dieser Bereich ist unmittelbar neben der Uckermark gelegen, die zu Brandenburg gehört. Das Land war reich, beiderseits der Randow, dem Grenzfluss, und das zeigte sich darin, dass jedes Dorf, eng gedrängt, wie es dort lag, seine eigene Kirche hatte. Die Kirchen waren aus Granitquadern gebaut, dem Baumaterial, das die Endmoränen der letzten Eiszeit in überreichem Maße in Norddeutschland hinterlassen hatten.


Die Arbeit ohne Ziegel wurde von Könnern durchgeführt. Das Langschiff besteht aus gleichmäßig behauenen, in der Sonne wunderbar leuchtenden Quadern bis unter das Dach. Der Turm mindestens in gleicher Höhe aus dem gleichen Material gefertigt, oft jedoch mit zusätzlichen Gesteinslagen höher geführt als das Kirchenschiff. Auch müssen die Kirchen in dem gesamten Bereich fast zur gleichen Zeit erbaut worden sein. Selbst wenn sie heute nicht mehr so einheitlich aussehen, wie es einst war, so sind es wahrscheinlich Bauhütten gewesen, oder Architekten-Gemeinschaften, die in den überall fast gleichzeitig entstehenden Dörfern nach gleichem Grundriss und mit gleichen Ideen arbeiteten. Granit vergeht nicht und die schweren Blöcke lassen sich nicht einfach bewegen. Wenn dennoch die Kirchen heute von Dorf zu Dorf verschieden aussehen, dann muss an die 700 Jahre gedacht werden, die sie hinter sich gebracht haben. Eine Kirche besteht nicht  nur aus den Grundmauern. Der Randower Kreis, hat immer wieder schwer gelitten durch die Tatsache, dass er zum Umland der Stadt und Festung Stettin gehörte und Teil eines Schlachtfeldes war.


Den größten Schaden verursachte der 30 jährige Krieg durch seine sich über eine Generation hinziehende Dauer. Immer wieder durchzogen von 1630 an die Kriegshaufen das ausgeplünderte Land und nach dem von Wallenstein geprägten Wort musste der Krieg den Krieg ernähren - eine ordnungsgemäße Truppenverpflegung gab es schließlich noch nicht. Nach dem 30 jährigen Krieg kam der schwedisch-polnische Krieg 1657/59 mit neuen Verwüstungen um Stettin. Die Schlacht von Ferbellin 1675 war nur der Anfang neuen Leidens. Die sieben Monate der Belagerung von Stettin 1677 verwandelten das Umland in ein Niemandsland. Nach einem Bericht des kurfürstlichen Kommissarius von Podewils, der die Verwaltung des Landes wieder einrichten sollte, war in sämtlichen um Stettin gelegenen Amtsdörfern „kein Sparren und kein Stiel vorhanden, kein Stein mehr auf dem anderen“. Alles Holz, das nicht schon dem Feuer zum Opfer gefallen war, hatte die Truppe fortgeschleppt, für die Belagerung von Stettin und als Bau- und Brennholz genutzt. Die Granitmauern der Kirchen allein überdauerten. So wird  in der schwedischen Beschreibung von Schöningen 1693 gesagt, dass die Kirche „von dem letzten Unfrieden beschädigt und noch nicht wiederhergestellt“ sei. Wie das aussieht, konnte jeder in den 60 er Jahren unseres Jahrhunderts sehen, als die polnischen Neusiedler von der ohne Schäden durch den II. Weltkrieg gekommenen Kirche das Dach abdeckten und die hölzerne Tonnendecke nach einigen Jahren in sich zusammenbrach. Mit einem einfachen viereckigen Dach, das jetzt den Turm abschließt, hat sich das Erscheinungsbild der wiederhergestellten Kirche erneut geändert.


Wie sie ursprünglich einmal ausgesehen hat, ist nicht bekannt. Um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert hatte sie einen viereckigen, mit Holzlatten beschlagenen Turm, auf dem ein glockenartiges Schieferdach saß. Es stammte wohl aus der schwedischen Zeit und blieb bis etwa 1950 erhalten. Lemcke nannte diesen Turm „scheußlich“.

Er hätte vielleicht erwähnen können, dass die Wetterfahne mit der Jahreszahl 1706 bedeutete, dass der Neubau mitten im nordischen Krieg vor sich gegangen war. Wenige Jahre nur, und erneut erschienen die Russen vor Stettin und setzten bei ihrem Anmarsch Gartz in Flammen. Schöningen - oder sagen wir vorsichtshalber die Kirche - überstand dann die Jahre bis zum Stockholmer Frieden 1720 ohne Schaden.


Es waren nicht nur Truppenteile, die ein Dorf verunsicherten. Marodierende Haufen, gesetzloses Gesindel nutzte gerne die Gelegenheit, wenn die Ordnung im Staat zu wünschen übrig ließ. So wählten die Siedler für den Bau der Kirche einen erhöhten Platz, der wenigstens nach einer Seite an einen Steilhang grenzte, der seinerseits an zwei Teiche reichte, so dass in feuchten Jahren jeder Angreifer von Süd und Süd-Ost im Wasser stand. Auf diesen Hang setzte man die Kirchhofsmauer. So war dann die Kirche umgeben von einer zwar nicht hohen, aber sehr stabilen, 1 ½ m dicken Mauer, nach innen so abgeschrägt, dass man sich nicht auf ihr halten konnte. Die Jahrhunderte der Nutzung, Planierung des umliegenden Geländes, Neupflasterung der Dorfstraße mögen dazu geführt haben, dass das Erdreich nicht nur von innen durch die vielen hunderte immer neuer Gräber langsam höher wurde, sondern dass die Mauer auch von außen an Bedeutung verlor. Doch blieb sie abweisend genug, um jeden unerbetenen Gast am Betreten des Friedhofes zu hindern.


War die Mauer das erste Hindernis, das ein Eindringling zu überwinden hatte, und konnte sie die dort Schutz suchenden Bewohner nebst dem zum Überleben wichtigen Vieh in seinen Bereich aufnehmen, so blieb doch, kam der Feind mit einer Übermacht, die Kirche selbst die einzige und letzte Rettung. Sie zerfiel in das Kirchenschiff, mit 16,2 mal 8,2 m lichter Weite und einen im Westen davor liegenden Turm. Die Fenster waren sehr eng mit schräger Leibung und dabei so hoch über dem Erdboden, dass man von außen nur mit Sturmleitern zu ihnen hinauf, aber dann noch lange nicht in das Kircheninnere gelangen konnte. Drei Fenster zeigten nach Osten, drei nach Süden und zwei Fenster nach Norden.


Ursprünglich war die Kirche  mit drei spitzbogigen Portalen mit „gleichmäßig recht-winkliger Abtreppung in sorgfältig behauenen Granitfassungen“ errichtet worden. Nord- und Südportal führten unmittelbar in das Kircheninnere. Durch das Westportal kam man in den Unterbau des Turmes mit seinen 1 ½ m dicken Mauern. In grader Linie führte von dort ein auch in Granit ausgeführtes - allerdings rundbogiges - Portal ins Kircheninnere auf den Altar zu. Das war nicht nur eine harmonische Anordnung, sondern bei dem strengen in Granit ausgeführten Äußeren stellten die Portale drei die Gleichförmigkeit des Ganzen angenehm unterbrechende Kunstwerke dar.


Die Kirche in der Fremde: die Menschen, die aus dem Gebiet beiderseits der Weser, einige vielleicht sogar aus dem dort gelegenen Schöningen selbst, kamen und in der Gegend um sich viel Wald, Wasser, Berg und Tal gehabt hatten, jetzt verpflanzt in eine fremde Umgebung, eine ins Endlose sich erstreckende Agrarsteppe - hier sollte ihnen ein Mittelpunkt geboten werden, wie sie ihn von Haus aus kannten. So entsprach sicher nicht nur das Äußere der Kirche dem, was sie gewohnt waren, sondern auch innen wird alles ihren Vorstellungen entsprochen haben: Der Altar, die Heiligenbilder, die Kerzen, die bunten Gewänder der Priester. Die Kirche war auch hier der Himmel auf Erden und für den Anfang sicher der einzige Ort, wo sie ihre Probleme besprechen, ihr Verhalten gegenüber dem neuen Landesherren und den fremden Nachbarn abstimmen konnten.


Bald schon werden die Siedler erkannt haben, dass weder der Landesherr noch ihr Lokator oder der Lehnsherr ihnen Sicherheit garantieren konnten. Gegen Feinde aller Art halfen nur Granitmauern. So ist der kompakteste Teil der Schöninger Kirche der Turm. Nicht nur die 1 1/2  m dicken Mauern, sondern die Widerlager an der Tür, in die man einen großen Eichenbalken legen konnte, zeugen davon. Das ursprünglich existierende Portal vom Turm zum Kirchenschiff wurde vermauert und durch ein enges „Ein Mann - Tor“ ersetzt. Zu gleicher Zeit, muss man annehmen, war auch das Nordtor vermauert worden, so dass das Kirchenschiff nur noch durch das Südportal zugänglich war. Es wurde so zur Vorburg. In ihm war Platz auch für das Vieh und einige Tage konnte man ausharren und auf Hilfe hoffen.


Kam sie nicht, und gelang es dem Feind, den Roten Hahn aufs Dach zu setzen, dann blieb der Rückzug in den Turm. 23 Schichten Granitquadern hielten den damals üblichen Waffen stand. Es gab kein Fenster oder auch nur eine Luke. Über die Feindlage konnte man sich unterrichten, indem man die im Innern vorhandenen Leitern benutzte. Dass die Verteidiger im Turm am Ende aufgeben mussten, sehen wir aus der Bemerkung der schwedischen Landmesser.


Kommt man in das Kirchenschiff, so war man von seiner Nüchternheit beeindruckt. Weiße Wände ringsherum, schmale Fenster, einfaches Gestühl. Kein Reichtum irgendwo sichtbar, doch ein Zeugnis der Vergangenheit auch hier. Denn dies war die nach dem Dreißigjährigen Kriege wieder aufgebaute Kirche und da inzwischen die katholische Glaubensrichtung durch den Protestantismus ersetzt wurde, die erste lutherische Fassung des Kirchenbaus. Waren ursprünglich drei spitzbogenförmige Eingangspforten, so war es inzwischen nur noch eine, die von Westen her, dem Altar gegenüber gelegene. Sie war auch die am besten mit Steinmetz Feinheiten ausgestattete. Die beiden anderen Pforten, die „Pastorenpforte“ und die Nordpforte wurden zugesetzt. Man kann sie zwar noch heute von außen deutlich wahrnehmen, die südliche trägt die in Stein gehauene Jahreszahl 1693, aber von innen war eine Putzschicht darüber gelegt, und schon bald konnte sich niemand vorstellen, dass es jemals anders gewesen war. Kirchengestühl war nicht üblich, die Gemeinde stand während des Gottesdienstes und dementsprechend war es praktisch, wenn die Gläubigen von beiden Seiten in die Kirche gelangen konnten. Und doch - die Reformation war eine alle Bräuche und Gewohnheiten, das Innere und das Äußere des bisherigen Daseins des Christenmenschen umstürzende und durch die neue Lehre ersetzende Bewegung gewesen - gab es viel, was beseitigt wurde. So die bunte Bemalung im Inneren. Niemand hat sie uns beschrieben, niemand hat sie später auch nur andeutungsweise erkennen können, doch sicher kam der Gläubige, wenn er sein Gotteshaus betrat, in eine wundersame Welt - der Erde entrückt, aus seiner zugigen, kalten Kate in den Vorhof  des Himmels.


Ob es nun Bilderstürmer waren, die die Schöninger Kirche von den alten Bräuchen reinigten, ist nicht bekannt. Aber wir können annehmen, dass es in Schöningen nicht anders war, wie in den Nachbarorten, wo uns Berichte vorliegen. Die alten Messgewänder und auch altes Geschirr, soweit es noch vorhanden war, wurden weiter benutzt. Und in unserem Falle nutzte der Patron die Gelegenheit, das Schöne mit dem Zweckmäßigen zu verbinden. Er ließ die gesamte Südwand der Kirche mit dem Wappen derer von Mellin bemalen. Lemcke erwähnt die Farbreste, die noch 1900 in der Kirche zu sehen waren.